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Schielen (Strabismus) – Ursachen, Formen, Behandlung

Strabismus Bedeutung

Bei Schielen (Strabismus) handelt es sich um eine fehlerhafte Stellung der Augen, die ein oder beide Sinnesorgane betreffen kann, und temporär oder fortwährend bestehen kann. Der Betroffene blickt dabei mit seinen Augen nicht in die gleiche Richtung: Wird mit einem Auge (dem fixierenden) ein Gegenstand anvisiert, so blickt der Schielende mit dem zweiten Auge nicht ebenfalls darauf, sondern daneben. Strabismus ist eine ernstzunehmende Augenproblematik und sollte nicht als rein kosmetisches Problem verkannt werden. Den Irrglauben, Strabismus würden sich im Alter von alleine bessern, gilt es ebenso zu entkräften.

Ursachen für schielende Augen

Damit dreidimensionales Sehen zustande kommen kann, ist es erforderlich, dass beide Augen auf denselben Punkt fokussiert sind und die Sehachsen aufeinandertreffen. Die Sinneseindrücke der beiden Augen unterscheiden sich minimal und werden vom Gehirn zu einem Sinneseindruck vereint. Dadurch nehmen wir einen dreidimensionalen Seheindruck wahr.

Schielt eine Person, werden die beiden Bilder vom Gehirn nicht mehr zu einem gemeinsamen Ganzen vereint, die Differenz zwischen den einzelnen Eindrücken ist zu groß. Als Folge leidet das räumliche Sehen und es werden unangenehme Doppelbilder wahrgenommen.

Auch genetische Faktoren sind in Betracht zu ziehen. Strabismus wird häufig verstärkt im familiären Umfeld beobachtet. Wenn Vater oder Mutter an Strabismus leiden oder diese bereits zuvor eine Therapie in Anspruch genommen haben, ist es deshalb empfehlenswert, eine augenärztliche Untersuchung für das 6 bis 12-järhrige Kind zu veranlassen. Der Einfluss von Schwangerschaft und Geburt auf etwaige Entwicklung von Strabismus ist auch nicht zu vernachlässigen.

Nicht einwandfrei funktionierende Augen mit Trübungen der Linsen auf einer Seite, Brechungsfehlern, Tumoren sowie Verletzungen können das Entstehen von Strabismus ebenso begünstigen.

Beginnt ein Kind völlig unvermittelt zu schielen, kann das eine Reihe von Ursachen haben. So kann schlagartig auftretendes Schielen auf eine Trübung der Linse, Netzhautablösung, Gehirnerschütterung in Folge eines Unfalles sowie Kinderkrankheiten, mit welchen Fieber einhergeht, zurückzuführen sein. Ebenso kann Schielen als Folge psychischer Überbeanspruchung auftreten.

Es wird zwischen verstecktem und manifestem Schielen unterschieden. Eine Mehrheit der Bevölkerung ist von latentem Schielen betroffen.

Heterophorie (Latentes Schielen) – Ein weit verbreitetes Phänomen

Bei latentem (verstecktem) Schielen, auch Heterophorie gennant, handelt es sich um ein weit verbreitetes Phänomen, denn bei der Mehrheit der Bevölkerung (70%) ist eine Heterophorie vorhanden. Dabei ist die Balance der Augenmuskeln gestört, kann jedoch durch die sogenannte Fusion ausgeglichen werden. Bei der Fusion handelt es sich um die Verschmelzung der beiden Sinnes-Eindrücke zu einem gesamten Bild.  

Oftmals sind sich die Betroffenen nicht bewusst, dass sie an latentem bzw. verstecktem Schielen leiden. Durch Überlastung und Überanstrengung der Augenmuskeln nimmt lediglich ein Zehntel der Betroffenen Symptome wie Schwierigkeiten beim Lesen und Schwindelempfinden, Kopfweh, doppeltes Sehen, rasches Ermüden und brennende Augen wahr. Treten bei einer Heterophorie solche Symptome auf, spricht man auch von Pathophorie. 

Diese Form des Strabismus wird nur unter bestimmten Umständen offensichtlich, wenn die zuvor beschriebene Fusionsfähigkeit außer Kraft gesetzt ist. Dies ist beispielsweise bei Alkoholkonsum, Stress oder einer Gehirnerschütterung der Fall.

Treten Anzeichen bei den Betroffenen auf, können die Augenmuskeln geschult werden sowie weiters Prismenbrillen zum Einsatz kommen. Werden hingegen keine Augenprobleme verspürt, sind keine Maßnahmen notwendig. Operative Eingriffe zur Behandlung von latentem Schielen sind nicht die Regel.

Heterotropie 

Heterotropie, auch manifestes Schielen genannt, liegt vor, wenn ein Auge dauerhaft von der erforderlichen und zu erwartenden Blickachse abweicht und die Abweichung nicht von der Fusionsfähigkeit (Verschmelzung der Eindrücke beider Augen zu einem Bild) kompensiert werden kann. 

Beim sogenannten Begleitschielen, auch Strabismus concomitans genannt, bleibt der Winkel der Sehachsen in sämtlichen Blickrichtungen nahezu gleich groß. Zudem ist das Vermögen der Augen, sich uneingeschränkt zu bewegen, vorhanden. Bei einigen Sondertypen des Begleitschielens kann sich der Schielwinkel je nach Blickrichtung adaptieren, was Strabismus incomitans genannt wird. 

Beim sogenannten Lähmungsschielen ändert sich hingegen der Winkel der Abweichung je nach Blickrichtung. Weiters können sich ein oder beide Augen nicht ungehindert bewegen.

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Schielendes Auge – Arten

Eine Klassifizierung des schielenden Auges erfolgt weiters anhand der Richtung der Abweichung. Beim Innenschielen weicht das schielende Auge entgegen der notwendigen Blickrichtung nach innen(Esotropie), beim Außenschielen nach außen (Exotropie) ab (manifeste Form). Beim latenten Schielen spricht man von einer Esophorie bzw. Exophorie.

Das schielende Auge weicht beim Höher- und Tieferschielen nach oben oder nach unten ab (Hypertropie, Hyopytropie, manifeste Form). Bei der latenten Ausprägung ist von der Hyperphorie bzw. Hypophorie die Rede.

Eine Verdrehung des Auges nach innen bzw. außen um dessen optische Achse wird als Verrollungsschielen bezeichnet. Bei der manifesten Form wird diese Exzyklotropie bzw. Inzyklotropie und beim latenten Schielen Inzyklophorie bzw. Inzyklophorie genannt.

Latentes Schielen wird durch den Aufdecktest und manifester Strabismus durch den Abdecktest festgestellt.

Wie wird Schielen festgestellt?

Aufdecktest

Der Aufdecktest gibt Aufschluss darüber, ob ein verstecktes Schielen bzw. eine Heterophorie vorliegt.

Ein latentes Schielen wird nur dann offensichtlich, wenn die Fusion der Augen nicht hergestellt werden kann. Dabei handelt es sich um die Verschmelzung beider Seheindrücke zu einem gesamten scharfen Bild. Ist diese Fusion gegeben, befinden sich beide Augen in paralleler Stellung.

Der Patient wird nun dazu gefordert, ein Objekt in der Weite anzuvisieren. Ein Auge wird für wenige Sekunden abgedeckt. Dies geschieht manuell oder mithilfe eines Okkluders. Durch diese Abdeckung ist die ebengenannte Fusionsfähigkeit nicht mehr in Kraft. Ist tatsächlich ein latentes Schielen vorhanden, weicht nun deshalb das abgedeckte Auge inwärts oder außwärts ab.

Wenn die Abdeckung wieder entfernt wird, führt das eine zuvor abgedeckte Auge eine Fusionsbewegung durch. Durch die nun vorhandene Fusion befinden sich beide Augen wieder in paralleler Stellung.

Abdecktest

Um manifestes Schielen festzustellen, wird der sogenannte Abdecktest durchgeführt. Dabei wird das nicht vom Schielen betroffene Auge abgedeckt. Dieses Abdecken erlaubt es dem schielenden Auge wiederum, zu fixieren, weswegen es eine Einstellbewegung durchführt. Der Fokus bei dieser Untersuchungsmethode liegt also auf der Beobachtung des nicht bedeckten Auges.


Wann ist eine Schieloperation in Betracht zu ziehen?

Ein Eingriff an den äußeren Augenmuskeln ist dann sinnvoll, wenn der Blickrichtungsunterschied so stark ausgeprägt ist, dass die beiden Augen nicht mehr gemeinsam wirken können. Üblicherweise ist eine Schieloperation im Alter von 5-6 Jahren anzudenken. Zu diesem Zeitpunkt sind Kinder in der regelmäßigen Nutzung der Brille geübt, zeigen sich kooperativ und unerschrocken. Eine für die Operation erforderliche Winkelausmessung geht unter diesen Umständen reibungslos und unproblematisch von statten. Hinzu kommt der Vorteil , dass in diesem Alter die Amblyopie bereits erfolgreich therapiert werden konnte. Schieloperationen sind mit wenig Gefahren verbunden und erfolgversprechend.

Was es zu beachten gilt, wenn Babys schielen 

Das Vermögen, Farben und Helligkeitsstufen wahrzunehmen sowie Bewegungen zu registrieren, ist bei Babys bereits früh vorhanden. Zunächst wird die Umgebung jedoch noch in verschwommener Form gesehen. Das scharfe Sehen, welches für korrektes Lesen unerlässlich ist, wird sich in einer definierten Spanne durch laufendes Selbst-Training in einem unbewussten Prozess angeeignet. Dieser Vorgang der Entwicklung der Sehschärfe findet vor allem in den ersten zwei Jahren statt. 

Die Abstimmung der Augenbewegungen ist in den ersten Wochen, nachdem das Baby das Licht der Welt erblickt hat, noch nicht ausgereift. Ein Schielen, das zu diesem Zeitpunkt ab und zu auftritt, sollte keinen Anlass zur Sorge darstellen. Erst wenn das andere Auge ständig in eine andere Richtung blickt, besteht Handlungsbedarf. Es besteht sonst die Gefahr, dass das schielende Auge vom Gehirn deaktiviert wird, um Doppelbildern entgegenzuwirken. Durch Nichtbeanspruchung kann dieses Auge in weiterer Folge schwachsichtig werden.

Lesenswertes

Interessanter Fachbeitrag zum „Strabismus divergens intermittens“

Quellen

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2. Peter WalterNiklas Plange. Basiswissen Augenheilkunde. Springer-Verlag. 2016

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5. Albert J. Augustin. Augenheilkunde. Springer-Verlag. 2013

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7. Franz Grehn. Augenheilkunde. Springer-Verlag. 2013

8. Gerth-Kahlert, C; Landau, K (2016). Wie viel Genetik steckt im Strabismus? Ars Medici, 22:1044-1046.

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15. Grehn F, Lieb WE, Steffen H. Ophthalmologie. Pädiatrie. 729-758. 2019

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17. Wolfgang Leydhecker. Augenheilkunde. Springer-Verlag. 02.07.2013

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